PROGENIE
REZENSION - CMD , HNO & PSYCHOSOMATIK

 

 

 

 

Tinnitus: Diagnostik und Therapie von Ohrgeräuschen

 

Hesse, Gerhard (Hrsg)
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Thieme, Stuttgart; 1. Auflage (Okt 2008)

ISBN: 978-3131478016

EUR 79,95

 

Das von Hesse unter Mitbeteiligung 10 weiterer renomierter Autoren verfasste Werk zur Diagnostik und Therapie des Tinnitus darf schon an dieser Stelle als gelungene und aktuelle Synopse einer der häufigsten und bekanntesten "Erkrankungen des Ohres" gelobt werden. Das sich der Tinnitus nicht nur auf das "Ohr per se" beschränken läßt, sondern in seiner organischen und neurobiologischen Vielfalt ein Regime an Diagnostik und demzufolge auch Therapie bedarf, kann nach Lektüre des Buches erst gänzlich überschaut werden. Nicht nur jeder Dritte Patient in der HNO-Praxis, sondern auch vielfach bei Orthopäde und Zahnarzt klagen Patienten über Ohrgeräusche in der Hoffnung auf "eine Idee". Der quälenden Antrieb nach Antwort und Hilfe ist oft genährt von "Internetwissen", Hörensagen oder yellow-press über mögliche Zusammenhänge mit HWS oder Kiefergelenk. Diese Konfrontation ist nur allzu verständlich, da es eigentlich kein Heilsversprechen zu Tinnitus gibt:

Dieses Buch ist daher dem funktionsdiagnostisch und psychosomatisch tätigen Zahnarzt sehr zu empfehlen, da es die Vielfalt von Ohrgeräuschen in Entstehung und Manifestation verständlich beschreibt. Außerdem zieht es klar die Grenze zu "zahnmedizinischer Interferenz" sowie Traumen und Veränderungen im HWS Bereich. Bearbeitet wurde dies in einem Kapitel von Prof. Ernst. Wie im vorliegenden Buch muß jedoch auch an dieser Stelle leider auf weitere Ausführungen dazu auf Ernst&Freesmeyer zu "Funktionsstörungen im Kopf-Hals-Bereich" verwiesen werden, um Manualdiagnostisches/-therapeutisches Vorgehen im Falle von HWS Beteiligungen und CMD zu erfassen.
Hilfreich für die zahnärzlicher Praxis ist jedoch auch das Kapitel zu psychometrischen Erfassungsmöglichkeiten (mit den Bögen im Anhang d. Buches), Typisierung der Geräusche und die anamnestischen Gesprächsführung im Sinne psychosomatischer Grundversorgung. Damit der Patient sich in seinem Leiden angenommen werden kann, jedoch auch Grenzen der Behandlung frühzeitig aufgezeigt werden können, ist ein Wissen um diese komplexe Erkrankung somit unerlässlich.

Das Verständnis der o.g. organischen und neurobiologischen Veränderungen trägt dann auch zum Verständnis etablierter, noch nicht zu gelassener und alternativer Therapieansätze bei. Diese werden grundsätzlich zu akutem und chronischem Verlauf beschrieben. Weitere Medikamente, integrative psychotherapeutische Interventionen, Akkupunktur, Entspannungstechniken, transkranielle Magnetstimulation, aber auch Ginko-Extrakte werden beurteilt. In allen Punkten ist die wissenschaftliche und kritische Bewertung der bis 2008 veröffnetlichten Literatur Basis für im Buch gezogene Schlussfolgerungen.

Die Kapitel zu Tinnitus bei Kindern, Selbsthilfe bei Erkrankung, Leitlinien zur Therapie, Adressen und Anschrifen sowie das umfassende Literaturverzeichnis runden das Buch ab und bleibt dem Besitzer die nächsten Jahre als verlässliches und umfassendes Handbuch zum Thema Tinnitus erhalten.

HUETTIG, FABIAN. rating: ****

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