PROGENIE
REZENSION - PSYCHOSOMATIK / SCHMERZ / CMD

 

 

 

 

Psychosomatische Medizin und Psychologie für Zahnmediziner
CompactLehrbuch für Studium und Praxis

 

Wolowski & Demmel
Schattauer Verlag; 2009 ;
1. Auflage, 270 Seiten

ISBN: 978-3794526291
EUR 49,95

 

 

Wer kennt und hat sie nicht - den bzw. die "schwierigen Patienten". Ein Urteil begleitet von Ohnmacht gegenüber dem beklagten Leiden und einer aufgestauten Spannung im Arzt-Patienten-Verhältnis. Wie schon Jahrzehnte beschrieben, liegt jedoch oft die Lösung nicht in der" handwerklichen Kunst" sondern vielmehr im Erkennen tiefer liegenderer Ursachen.

Jahrelang war kein Buch zur Psychosomatik in der der Zahnmedizin am deutschen Markt erhältlich. Letzte Ausgaben von Marxkors & Körber zur "Psychagogik und Psychosomatik" in einem kleinen Kompaktformat vergriffen. Auch in keinem Angebot der führenden Verlage findet sich etwas zu diesem doch allgegenwärtigen Thema.

Der Schattauer Verlag mit den zwei Herausgeber sowie 12 weiteren Autoren haben es geschafft. Über die Expertise und den Hintergrund der Autoren zu referieren würde den Rahmen der Rezession sprengen, daher speche das Ergebnis für sie. Das vorliegende Werk ist, das darf man an dieser Stelle schon sagen: eine herausragende Leistung!

Das man als ZahnArzt psychische Erkrankungen erkennen muss ist in der Rechtssprechung unstreitig. Das es in der Ausbildung von Zahnmedizinern enorme Defizite dahingehend gibt gleichwohl. Daher setzt das Buch bei der Vermittlung von Grundlagen an. Grundzüge des bio-psychosozialen Krankheitsverständnisses verknüpfen somatische und sozio-psychologische Aspekte und schlagen den Kreis zur psycho-somatische Medizin. Die häufigsten Krankheitsbilder (Stichwort: Depression, Persönlichkeitsstörungen) werden in Ätiologie und Symptomatik dargestellt. Es schließt sich die Neurologie an, um Symptome dieser Erkrankungen im Kopf-Gesichtsbereich nebst Ursache und Untersuchung gleichwohl kennenzulernen. Spätestens hier zeigt sich, das Psychosomatik nicht nur Gespräch und "Psychokram" ist. Fundiertes Wissen in Anatomie, Neurologie sowie Innerer Medizin sind unerlässlich um erfolgreich diagnostizieren und intervenieren zu können.

Die Anamnese stellt neben der körperlichen / zahnärztlichen Untersuchung dabei eine Schlüsselposition dar- Im Abschnitt für die Praxis befindet sich ein umfangreiches Kapitel zur Gesprächstechnik. Ohne Kenntniss der speziellen Krankheitsbilder, kann man aber auch hier nicht erfolgreich sein. Daher ist fast ein Drittel des Buches diesen gewidmet. Einige Stichworte hieraus sind: CMD, atypischer Gesichtsschmerz, Zungenbrennen, Prothesenunverträglichkeit.

Bei allem Erfolg ist mit der Verdachtsdiagnose jedoch weder Patient noch Zahnarzt geholfen. Daher werden neben forensischen Aspekten auch Einblicke in die Intervention, mögliche psychotherapeutische und psychosomatische Therapieformen gegeben. Die Kenntnis dieser ist Teil der Intervention und Edukation des Patienten. Fehler in der Vermittlung einer psychosomatischen Komponente können Vertrauensverlust (Stichwort: "Psychoschiene") aber auch Ausschlagen einer u.U. "lebensnotwendigen" weiterführenden Diagnostik (Stichwort: Suizid) sein. Jedes richtig geführte Gespräch stellt schon eine Therapie dar. Weiterführende medikamentöse und "dental/oralen" Therapien sind selbstredend auch aufgeführt.

Die Intervention und Arbeit mit Patienten dieses Formenkreises ist keine einfache und momentan auch durch Krankenkassen nicht entsprechende gewürdigt. Aber sie ist notwendig und kann bei Kenntniss frühzeitig Verärgerung und Enttäuschung vorbeugen, gar Leben retten. Jeder Leser wird bei Lektüre des Buches eigene Patienten und Erfahrungen wiederentdecken und sicher danach anders auf diese und neue schauen.

Der Preis ist ein Geschenk für all das wunderbar aufbereitete und vermittelte Wissen. Studierenden kann es schon begleitend zum Physikum empfohlen werden, da hier die Tragweite der erlernten Grundlagen sichtbar werden.
Im Bereich Schmerztherapie und CMD tätigen Zahnärzten muß es sicher nicht gesondert empfohlen - jedem allgemeinzahnärztlich tätigen Kollegen aber mit bestem Gewissen und Nachdruck nahe gelegt werden.

Schade, daß es fast keine farbigen Abbildungen gibt und nur in schwarz-weiss-grauem Satz gehalten ist. Die Schemata und Flussdiagramme verdeutllichen jedoch Zusammenhänge von Textpassagen. Zusammen mit der Gliederung erhält das Lehrbuch auch Fortbestand als Nachschlagewerk.

Viel Freude und "neue" Erkentnisse garantiere ich allen Lesern und danke den Autoren für die meinigen!

HUETTIG, FABIAN; rating: *****

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