PROGENIE
REZENSION - PROTHETIK / AESTHETICS

 

 

 

 

Farbatlanten der Zahnmedizin - Ästhetische Zahnheilkunde

 

Josef Schmidseder, Thilo Munz
Thieme Verlag, Stuttgart

2., vollst. überarb. Aufl. 2008
362 S., 1278 Abb., 49 Tab., geb.
ISBN: 9783131004529

EUR [D] 279,95

 

 

In der aktualisierten und teils komplett neu aufgelegten 2. Auflage wird bereits mit dem Lesen des Vorwortes ersichtlich, wohin ein wichtiger Trend in der ZahnMedizin geht. In der modernen Patientenversorgung handelt sich längst nicht mehr nur um die reine problemorientierte Wiederherstellung der Kaufähigkeit. Vielmehr soll dem Patienten die Möglichkeit gegeben werden, sich unter Erfüllung seiner Vorstellungen und seiner im Rahmen des medizinisch vertretbaren liegenden Schönheitsideale wohl zu fühlen mit einem neuen, unauffälligen, vitalen und langlebigen Lachen.

Natürlich muss bei vielen Patienten dieses spezielle Gesundheits- und Schönheitsbewußtsein hervorgerufen werden, ohne das einige der hier aufgeführten Behandlungsmöglichkeiten nicht realisierbar wären. Der vorliegende Atlas bietet eine Fülle an Bildern, die auch zur Information für an der Materie interessierte Patienten dienen kann. Um dem Patienten anschaulich seine Situation im Mund zu verdeutlichen und um Planungssicherheit durch computerunterstützte Planungs- und Bildbearbeitungsprogramme zu erhalten werden dem Leser Tipps zur (digitalen) Fotografie und sofortige Demonstrationsmöglichkeiten für den Patienten theoretisch und praktisch erläutert. Die hohe Qualität der Intraoralkameras macht die dentale Fotografie zu einem hilfreichen Instrumentarium, wenn es darum geht kleine kariöse Läsionen und Verfärbungen an schwer zugänglichen Stellen zu „demonstrieren“.

Das Bleichen ist in der Öffentlichkeit als eines der Schlagworte im Bereich der ästhetischen Zahnmedizin zu sehen. Die Nachfrage, so liest man, sei in den letzten 4 Jahren um 400% gewachsen. Entsprechend viel Raum wird der wissenschaftlichen Analyse der Produkte (Chemie des Bleichvorgangs, zeitlicher Aktivitätsverlauf des Inhaltsstoffs etc), deren Anwendung, möglicher Behandlungsrisiken und der Erfolgswahrscheinlichkeit einer Therapie eingeräumt. Praktischerweise ist am Ende des Kapitels, wie auch beim Kapitel „Grundlagen“ eine praxisorientierte Checkliste, deren Inhalt dem Patienten gut als Infobrief dienen kann. Wer neu ist im Gebiet der Ästhetischen ZHK findet hier zeitsparende Hilfestellung. Nicht kongruent verläuft hier das Text-Bildverhältnis, so liest man im Text vom möglichen Verzicht auf ein Bleichmittelreservoir in der Schiene, die Bilder zeigen und sagen genau das Gegenteil. Die Abbildungen sind aus der 1. Auflage übernommen worden. Insbesondere beim internen Bleichen hätte ich mir eine qualitätsorientiertere Darstellung der Behandlung unter aseptischen Bedingungen (Kofferdam!) erwartet.

Den dentalen Kompositen wird, wie schon in der ersten Auflage, viel wissenschaftlicher Raum gegeben, ebenso dem nachfolgenden Kapitel Bonding. Beide Kapitel bilden die Grundlage für Verständnis und Anwendung von Frontzahn- und Seitenzahnfüllungen sowie die Befestigung einer Vielzahl keramischer Versorgungen. Die unterschiedlichen Bondingsysteme werden bspw. nach Art der Benutzungshäufigkeit durch Zahnärzte, des erforderlichen Ätzvorganges mit seinen potentiellen Fehlerquellen und den Haftwerten in übersichtlichen Listen dargestellt.

Bei den Frontzahnfüllungen werden eher vorher-nachher Bilder zur Verfügung gestellt, hier wäre eine Vertiefung insbesondere auf die oftmals schwierige Matrizentechnik wünschenswert. Es gibt jedoch eine Übersicht über eine Vielzahl verschiedener Matrizensysteme. Die Systematik der Step-by-Step Darstellung ist gut, setzt jedoch hinreichende Kenntnisse voraus.

Die Betrachtung der modernen Vollkeramiken erfolgt mit herausragender Bebilderung, man erhält eine umfassende und mehr als ausreichende Information über klinisch notwendige Fakten, hauptsächlich zu Oxidkeramiken. Das nachfolgende Kapitel „Veneers“ ist dank reichhaltiger Bilder der Einzelschritte auch für Einsteiger geeignet. Die provisorische Versorgung, gemeinhin als Visitenkarte einer Praxis beschrieben, kommt mit einer Doppelseite allerdings zu kurz. Die Kapitel über keramische Inlays, Kronen und Brücken sind umfassend, gut aufbereitet und mit klaren Verfahrensschritten und Bildern versehen.

Dem breiter werdenden Markt der CAD/CAM wird das folgende Kapitel dahingehend gerecht, als es verschiedenste Systeme auf einer Doppelseite vorstellt und Möglichkeiten, Indikationen, Besonderheiten etc. wertungsfrei auflistet. Dem Einstieg folgend ist der Leser jedoch angehalten sich weitergehend mit dem jeweiligen System zu beschäftigen. Die ästhetische PA-Chirurgie ist in der 2. Auflage, meiner Meinung nach entsprechend der vielerorts gesunkenen Nachfrage durch Patienten gerecht werdend, von prominent vertretener Stelle ans Ende des Atlanten gerückt, wird aber umfangreicher behandelt. Die chirurgischen Möglichkeiten sind mit schönen und präzisen Bildern angereichert. Ein vertieftes Literaturstudium ist hier jedoch empfehlenswert. Einen wahren Sprung erlebt man bei der Implantologie zwischen erster und zweiter Auflage. Der Erhaltung der periimplantären Strukturen, beginnend am Tag der Extraktion (socket preservation, etc), sowie umfangreiche Augmentationstechniken werden vorgestellt. Weitere, nicht mehr zeitgemäße Behandlungsoptionen werden nur rudimentär behandelt, wie Kompositinlays, Celay-Kopierschleifverfahren, Goldgussfüllungen etc. Der abschließende Ausflug ins Marketing ist eher allgemein gehalten und nicht speziell auf die Inhalten des Atlanten bezogen.

Wünschenswert wäre meiner Meinung ein Kapitel mit Bebilderung über (temporäre, teilweise nur „gefühlte“) Misserfolge, bspw. in der PA-Chirurgie, bei der temporären Versorgung, Keramikfrakturen und deren Vermeidung/Reparatur. Zwar kann es nicht Gegenstand eines Atlanten sein alle (Un)-möglichkeiten zu vereinen, dem ästhetisch orientierten Anfänger werden jedoch Probleme begegnen, deren vorangestellte Kenntnis ihn eher anspornen denn hemmen könnte. Dass der Einband des Atlanten keine Nummerierung mehr trägt (alt: Nr. 15) mag Ergebnis einer Layout-Umstrukturierung sein, missfällt aber noch in der vollständigen Reihe der Atlanten (auch der neue Paro-Atlas hat die Nr.1).

Alles in Allem liegt mit der 2. Auflage des Farbatlanten für Ästhetische Zahnheilkunde ein umfassendes, mit guten (und nicht nur plakativen) Bildern, strukturiertem Aufbau, verständlichen Texten und übersichtlichen und ausführlichen Tabellen versehenes Werk vor, das sowohl Anfängern als auch fortgeschrittenen und erfahrenen Zahnärzten als Unterstützung und hilfreiches Nachschlagewerk dienen kann. Von meiner Seite eine klare Kaufempfehlung!

KUECK, M. ; rating: *****

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