PROGENIE
REZENSION - PSYCHATRIE & CMD...

 

 

 

 

Schmerzpsychotherapie
Grundlagen - Diagnostik - Krankheitsbilder - Behandlung

 

Kröner-Herwirg; Frettlöh; Klinger; Nilges
Springer Verlag, Oktober 2007,
6 . aktualisierte u. überarb. Aufl., 2007, XX, 668 S. 77 Abb., 13 in Farbe., Geb.
ISBN: 978-3-540-72281-6
EUR 59,95
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Schmerzpsychotherapie – ein Buch für Zahnärzte? Diese Frage stellen sich sicher viele Leser dieser Rezension. Von der Autoren nicht explizit als Haupzielgruppe, jedoch unter den Medizinern neben Physio-, Sport-, Ergo- und Sozialtherapeuten die Adressaten des ca. 650 Seitenwerkes rund um das Thema Schmerz. Das es mehr als ein Thema ist, kann einem mitunter erst beim Durchblättern und angeregtem Lesen bewusst werden - und einhergehend können sich die Blickweisen auf manch Patient verändern.

Den Herausgebern und Autoren ist es gelungen die Dimensionen, Ursachen und Verknüpfungen des Schmerzen im Menschen anschaulich darzustellen. Eine durchweg verständliche Sprache macht ein angenehmes Lesen, bei welchem Neugier und anhaltende Motivation geweckt wird möglich. So stört es einen nicht, dass Bebilderungen und Tabellen nur in und an den notwendigen Plätzen angebracht sind. Kurze dick-gedruckte Kondensate zwischen überschaubaren Fließtextblöcken erleichtern selektives Lesen und fördern in Ergänzung das Verständnis.
Physiologischen und psychologischen Grundlagen des Schmerzes gilt der erste Teil (166 Seiten) des Buches und ist zum Verständnis der folgenden Abschnitte teils unerlässlich teils hilfreich. Den Ausführungen zu Schmerz in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, sozialem und ethnisch/kulturellem Umfeld gilt es insbesondere in Gedanken an die tägliche Praxis Interesse zu schenken. Umfassende Beschreibungen zu diesen Modulatoren sind Inhalt des zweiten Teils und betrachten den Patienten insbesondere im Spannungsfeld seines Umfelds und seiner Disposition.
Handwerkzeug zur Schmerzanamnese, -diagnostik und begutachtung liefert der 3. Abschnitt (100 Seiten) gefolgt von der Beschreibung der häufigsten Schmerzerkrankungen auf weiteren 150 Seiten die sich eingehend mit Migräne, Kopf-, Krebs-, Rücken- und Bauchschmerz, Fibromyalgiesyndrom, Morbus Sudek und ausgewählten chronischen Schmerzsyndromen befassen.

Abschließend werden weitere 150 Seiten zur Erklärung der Behandlungsoptionen im multiprofessionellen Therapieansatz beschrieben – Gefahren wie „pain-games“ und „Korphäenkiller“ bleiben genauso berücksichtigt wie Hypnose, Biofeedback und kognitiv-behaviorale und psychodynamische Therapieen.
Ein gelungenes Ende sind die Kapitel Medikamentenmissbrauch und kritische Relexion aus Patientenperspektive.
Diese Gliederung macht das durchweg wunderbare und lesenswerte Buch gleichwohl zu einem kompetenten Nachschlagewerk, dass durch die ausführlichen Literaturangaben jeweils am Kapitelende eine weitere Vertiefung ermöglicht.

In sechster, sicher nicht letzter Auflage, hat das Buch viele Leser gefunden und gilt von noch mehr entdeckt zu werden. Trotz des für viele Kollegen sicher befremdlichen Titels kann ich es allen zahn- und allgemeinärztlichen Kollegen mit nachdrücklicher Kaufempfehlung ans Herz legen – Im Versprechen vieler ungeahnter Einsichten und Hilfen für den täglichen Umgang (nicht nur) mit vermeintlichen Problempatienten.

HUETTIG, FABIAN.; rating: *****

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